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Prof. i.R. Dr. Hans-Jürgen Andreß

Das ISS trauert um Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß

Nach langer, schwerer Krankheit ist Prof. Dr. Hans-Jürgen Andreß am 17. August 2020,einen Monat vor seinem 68. Geburtstag, verstorben. Sein viel zu früher Tod kam nicht überraschend, aber lässt uns dennoch fassungslos zurück. Nach längeren Stationen in Frankfurt und Bielefeld führte Hans-Jürgens Karriereweg 2003 schließlich nach Köln, wo er bis zu seiner Emeritierung den neu geschaffenen Lehrstuhl für Empirische Sozial-und Wirtschaftsforschung inne hatte.Er war stets getrieben vom inhaltlichen Interesse an sozialen und soziologischen Fragen, zu deren Beantwortung fundierte Methodenkenntnisse – wie er schnell für sich erkannte – unabdingbar sind. Der Titel der anlässlich seines 65. Geburtstags erschienenen Festschrift „Lebensbedingungen in Deutschland in der Längsschnittperspektive“ bringt dabei den Kern seiner inhaltlichen und methodischen Arbeiten auf den Punkt. Diese haben erheblich zur Etablierung längsschnittlicher Forschung in der Soziologie sowie ihrer Verankerung in der Lehre beigetragen. Die vielen von uns immer wichtiger werdende Orientierung an Impact-Faktoren und Forschungsrankings blieb Hans-Jürgen hingegen fremd. Dennoch hat er das ISS auf dem Weg zu seiner (an diesen Kriterien gemessenen) heutigen nationalen Spitzenposition immer kritisch-konstruktiv und tatkräftig unterstützt. Neben seiner Forschungsleistung ist hier insbesondere sein überaus erfolgreiches Engagement bei der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses hervorzuheben: Institutionell als Leiter des von ihm gemeinsam mit Heiner Meulemann eingeworbenen DFG-Graduiertenkollegs „Social Order and Life Chances in Cross-National Comparison“ (SOCLIFE), aber vor allem durch sein beharrliches persönliches ‚Kümmern‘ um seine Schüler*innen. Hans-Jürgen war ein hervorragender Lehrer. Auch der Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie war er eng verbunden: Als Geschäftsführender Herausgeber (ein Amt, das er krankheitsbedingt nur kurz, 2016-17, ausüben konnte), als Mitherausgeber des Sonderbandes „Cross-National Comparative Research“ (2019) und – last but not least – als Autor (zuletzt mit einem gemeinsam mit Romana Careja und Marco Giesselmann verfassten Artikel zum Niedriglohnrisiko von Migranten in Zeiten ausländerfeindlicher Einstellungen im neuen Heft der KZfSS). Trotz seiner schweren Erkrankung und der mit ihr verbundenen Einschränkungen im Alltag blieb Hans-Jürgen bis zuletzt auf hohem Niveau forschend aktiv und bewahrte sich und uns seinen charakteristischen guten Humor. Weil er es vermutlich (und zu Recht) schade finden würde, wenn wir hier nur seine Arbeit würdigen würden, möge jetzt bitte jede/ran ein schönes persönliches Erlebnis mit HJA denken – und ihn so in Erinnerung behalten! Hans-Jürgen Andreß wird uns als außergewöhnlicher Freund, Mentor und Kollege sehr fehlen. Unsere Gedanken und unser Mitgefühl gelten seiner Familie.