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JuKo

Jugenddelinquenz in urbanen schulischen und wohnräumlichen Kontexten

Übersicht

Leitung: Prof. Dr. Clemens Kroneberg
Aktuelle Mitarbeiter(innen): Dipl.-Soz. André Ernst, N.N.
Studentische Hilfskräfte: N.N.


Fördernde Institution: Deutsche Forschungsgemeinschaft

Laufzeit: 2020-2023 (36 Monate)
Kooperationspartner: Kriminalistisch-Kriminologische Forschungsstelle, Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen; Peterborough Adolescent and Young Adult Development Study (PADS+), University of Cambridge


Kontakt: 
Universitätsstaße 24 | D-50931 Köln
c.kronebergSpamProtectionuni-koeln.de | 0221 470 3736

Fragestellung/Ziel

Soziale Kontexte nehmen in Erklärungen von Jugenddelinquenz eine prominente Rolle ein. Die kriminologische Forschung hat eine Vielzahl von Belegen für die Relevanz nachbarschaftlicher und schulischer Kontexte zusammengetragen. Erstens wird jedoch zumeist ein bestimmter Kontext isoliert betrachtet und zweitens wird selten handlungstheoretisch fundiert der Frage nachgegangen, welche Personen solchen Kontexteinflüssen besonders stark, weniger oder überhaupt nicht unterliegen. Für den Mangel an Studien zum Einfluss multipler Kontexte und dessen Abhängigkeit von Individualmerkmalen ist in erster Linie die Seltenheit geeigneter Datenquellen verantwortlich. Das beantragte Vorhaben nimmt sich diesen Forschungslücken an und versucht zu einem tieferen Verständnis des Einflusses des wohnräumlichen und schulischen Kontexts auf Jugenddelinquenz zu gelangen. Grundlage des Vorhabens ist die Kombination und Analyse unterschiedlicher Datenquellen, denen in ihrer Zusammenschau eine besondere Aussagekraft zukommt. Im ersten Teil des Projekts werden Daten der englischen „Peterborough Adolescent and Young Adult Development Study“ (PADS+) analysiert, die durch eine einheitliche Messung der kollektiven Wirksamkeit („collective efficacy“) eine simultane Betrachtung von nachbarschaftlichen, schulischen und familiären Einflüssen ermöglichen. Dies erfolgt in Kooperation mit der Arbeitsgruppe von Professor Per-Olof Wikström am kriminologischen Instituts der Universität Cambridge. In einem zweiten Teil des Projekts werden Daten der DFG-finanzierten Dunkelfeldstudie „Freundschaft und Gewalt im Jugendalter“ um räumliche Hellfelddaten der Polizeilichen Kriminalstatistik erweitert, um die Kriminalitätsbelastung schulischer und wohnräumlicher Kontext einheitlich erfassen zu können. Dies erfolgt in Zusammenarbeit mit der Kriminalistisch-Kriminologischen Forschungsstelle des Landeskriminalamts Nordrhein-Westfalens. Das Projekt zielt auf neue Einsichten zur relativen Bedeutung schulischer und wohnräumlicher Kontexte, möglichen verstärkenden oder kompensierenden Wirkungen und ihrer Abhängigkeit von Individualmerkmalen. Die Analysen werden theoretisch angeleitet durch die Situational Action Theory von Wikström sowie durch Arbeiten zu den kriminogenen Eigenschaften sozialer Kontexte. Entsprechend wird für schulische und wohnräumliche Kontexte danach gefragt, ob und auf welche Weise ihre Kriminalitätsbelastung, die vorherrschenden sozialen Normen und das Ausmaß an sozialer Kontrolle und Vertrauen Jugenddelinquenz begünstigen - und ob Vorhandensein und Stärke dieser Einflüsse von den moralischen Einstellungen und Selbstkontrollfähigkeiten von Jugendlichen sowie von ihrer sozialräumlichen Einbettung in Gleichaltrigengruppen abhängen.

Publikationen

2020

Ernst, André and Sven Lenkewitz, 2020: "Violence, Street Code Internalization and the Moderating Effect of the Status-Violence Norm in German Schools", Kriminologie – Das Online-Journal | Criminology – The Online Journal 2(1): 39–63. DOI: https://doi:10.18716/ojs/krimoj/2020.1.4

Wittek, Mark, Clemens Kroneberg, and Kathrin Lämmermann, 2020: "Who is fighting with whom? How ethnic origin shapes friendship, dislike, and physical violence relations in German secondary schools", Social Networks 60: 34-47. DOI: https://doi.org/10.1016/j.socnet.2019.04.004